Stuttgarter Kajak- Club e.V. 

 

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Zurück zu den Wurzeln

 

Was treibt einen zivilisierten Mitteleuropäer dazu, den Naturvölkern nachzueifern und sich ein Boot der Ureinwohner Grönlands nachzubauen? Ein jeder, der so ein Boot zum ersten Mal auf einem Bild oder im Original sieht, ist fasziniert von der schönen Form und den eleganten Linien. Doch alles Anschauen ist irgendwann zu wenig. Wenn der notwendige Impuls kommt, dann hilft nur noch die Säge zu schärfen und das Messer zu schleifen.

Bei mir wurde der Wunsch für einen reinrassigen Kajak schon nach dem ersten Kontakt zum Kajaksport geweckt. Es dauerte aber noch fast 20 Jahre, bis der Wunsch in die Tat umgesetzt werden konnte. Durch den Kontakt zu anderen Bootfahrern mit Eigenbauten war der erste Schritt getan, die ersten Pläne gezeichnet und das Holz gekauft.

Es war ein wunderschönes Gefühl, unter den eigenen Händen ein schlankes Bootsgerippe entstehen zu sehen. Das Gefühl mit dem Holz zu arbeiten und der Geruch des Leinöls waren unvergeßliche Erinnerungen.

Der traurigste Moment kam, als das Gerippe in die Haut eingenäht wurde. Ein filigranes Kunstwerk verschwand in einem Stoffsack. Nach dem Streichen des Baumwollstoffs war es mit dem Rest aller Schönheit dahin. Flecken machten sich breit und die weiße Farbe verwandelte sich in ein schmutziges Gelb. Richtig anfreunden konnte ich mich mit dem Boot erst wieder, als es auch wirklich auf dem Wasser schwamm.

Entstanden ist ein Boot mit nicht unbedingt den besten Fahreigenschaften. Auch kann es nicht von jedem so einfach gefahren werden. Wer sich aber mit einem überdimensionalen Schuhlöffel hinein gezwängt hat und den notwendigen Fanatismus mitbringt, wird begeistert sein. Wie es die Wellen schneidet und sich anschmiegt, dieses Gefühl kann kein planschendes Kunststoffboot vermitteln, vielleicht noch ein Faltboot, aber das tut sich mit der Eleganz doch schwerer. Es gehört Begeisterung dazu, sich diesem Boot anzuvertrauen.

Es ist ca. 5,50 m lang und 48 cm breit. Die Sitzluke hat einen Durchmesser von ca. 46 cm.

Komplett ist das Boot erst, seit auch ein selbstgeschnitztes Paddel dazu gehört. Jetzt fehlen nur noch eine Harpune, ein Seehund und Eisberge auf dem Neckar.

 

Andreas Kirchhoff

 

 

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