Stuttgarter Kajak- Club e.V. 

 

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Eine Wildwassertour am anderen Ende der Welt

Kalle Gierer, Klaus Harms
 

Zu viert hatten wir uns Mitte Januar zu einer Reise um die Welt nach New Zealand entschlossen, wo der Sommer im Winter wohnt und einige der weltbesten Flüsse fließen.

 

 

Den ersten Superlativ New Zealands muß man schlicht aussitzen. Über einen Tag drücken die Po-Backen im Flieger, bevor man ans andere Ende der Welt gelangt. Als wir nach 28 Stunden wieder festen Boden betreten, sind uns die Strapazen sichtlich anzumerken. Zum Glück liest uns Klaus auf, der via Bali einige Stunden vor uns eingetroffen ist und das Martyrium schon etwas verdaut hat. Nach einigem Hin und Her ist ein geeigneter Mietwagen mit roof-rack (Dachgepäckträger) organisiert, das Gepäck samt Paddel und Ausrüstung verstaut. 4 Stunden rauschen wir über die Nordinsel zur ersten Station unserer Träume – Rotorua. Am Abfluß des Lake Rotoiti treffen wir auf den Kaituna-River.

 

 

Dieser landschaftlich fantastisch gelegene Fluß dient uns zum Einpaddeln. Keinen Steinwurf vom Einstieg entfernt wohnt Donald Calder. Herrmann hatte bereits von Deutschland aus die Möglichkeiten zum Ausleihen der Kajaks sondiert. Man muß wissen, daß Donald Prijon Importeur für die Kiwi Insel und obendrein noch ein exzellenter Wildwasser und Rodeopaddler ist. Nach ein paar Befahrungstips lockt uns der Kaituna, dem der Ruf vorauseilt, der beste Spielfluß in NZL zu sein. Mit etwas gemischten Gefühlen steigen wir in unsere Boote. Gleich von Anfang an paddelt man über ein paar leichte Schwallstücke mit kleinen Walzen durch eine 200 m lange Slalomstrecke, die zum Spielen und warmpaddeln einlädt. Der Höhepunkt des Kaituna bilden jedoch zweifellos die Okere Falls. Drei Wasserfälle zwischen 2,5 und 7 m. Gut, daß wir den letzten Fall schon im Voraus vom Klammsteg besichtigt haben.

 

 

Das glasklare Wasser donnert zwischen senkrechten Felswänden herunter, im Wasserstaub bilden sich große farbige Regenbogen zwischen den Farnbäumen des Regenwaldes. Im Gumpen bildet sich ein bis zu einem Meter hohes ”Schwammerl”, wer nicht die richtige Fahrtroute erwischt, so wurde uns von Insidern berichtet, ist auf die Gnade der Flußgötter angewiesen. Dieser entläßt einen selten ohne Prellungen und Hautabschürfungen. Selbst local hero Arndt Schaeftlein hat es an dieser Stelle schon geschafft und bei einer Fahrt im Duo-Topo mit dem Jochbein gebremst. Aufgrund dieser unkalkulierbaren Risiken fällt die Entscheidung eindeutig aus. Wir booten lieber unter dem Fall wieder ein. Auf den letzten 1,5 km fahren wir durch eine Urwaldklamm, die uns mit einigen schönen Spielstellen belohnt, die wir vollends genossen haben.

Zum Schluß am Ausstieg wartet das ”bottom hole”, die Großmutter aller Spielwalzen am Kaituna. Angesichts des badewarmen Wassers eine reine Freunde, einige Kerzen und Eskimorollen auszuprobieren.

 

 

Zufrieden aber mit gewaltigem Hunger steigen wir aus unseren Booten. Zurück in Rotorua stärken wir uns an einem Straßenstand mit leckeren Fish and Chips, die rustikal in Zeitungspapier verpackt serviert werden. ”Fürchterlich stinkender Ort” nennen die Maori ihre traditionelle Stadt, was beileibe kein Werbegag ist. Enorm lebendige Thermalquellen am Ortsrand sorgen bei ungünstiger Windrichtung für einen aparten Geruch.

Nach einem ausgiebigen Bad in einer der Quellen am Kerosin Creek kriechen wir müde in die Zelte.

 

Am anderen Tag sind wir auf dem Weg zum Rangitaiki River. 2 Stunden kurven wir von Rotorua über Schotterpisten durch das Hinterland. Der bei Murupara durch den Kaingaroa Forest fließende Rangitaiki, der von den Maoris als heiliger Fluß verehrt wird, bietet spritzige Schwallstücke WW III-IV durch tropische Vegetation in unberührter Landschaft. Dieses mal fällt das Los für den Auto-Shuttle auf Herrmann. Wir stehen alleine etwas verloren in der Pampa. Vor uns ein Buschdickicht und einige Kauri-Bäume, die wohl die Rodungs-Ekstase der Pionierzeit überlebt haben. Doch nach einem letzten Blick in den Flußführer ist unser Optimismus wieder da. Jeffs-Joy-Run – klingt doch irgendwie gut. – Was dem Spaß gemacht hat, wird uns sicher auch gefallen, denken wir. Die Fahrt beginnt eher gemütlich, langsam nimmt die Verblockung und Wasserwucht zu. Die Kernstellen des Jeffs-Joy-run warten. Nach ausgiebiger Besichtigung beschließen Klaus und ich, den Katarakt zu fahren. Jochen sichert vom Ufer aus die letzten schwierigen Stellen. Ich erwische die Route einigermaßen optimal und schieße in den ruhigen Pool am Ende. Auch Klaus sticht im Eiltempo durch die letzte große Walze und grinst mir erleichtert zu. Bis zum Ausstieg gibt es auf den letzten Kilometern noch unzählige Schwälle und Walzen, man kann sich also bedenkenlos austoben. Spät treffen wir Herrmann am verabredeten Aussatz.

 

Nachdem wir zahlreiche Tagestouren z.B. auf dem Tongariro sowie dem Rangitikei River - einem Fluß mit landschaftlich herausragender Schlucht und langen technischen Rapids bis WW IV+ genossen haben, ist auf der Nordinsel noch der Waikato-River zu empfehlen. Unterhalb des Ariatia Dammes findet man ”Fuljames”, eine große Welle, bei der man je nach Wasserstand hervorragend surfen kann. Mit den etwas schwerfälligen Diabolos tun wir uns mit dem Surfen etwas schwer, unseren Spaß hatten wir auf jeden Fall.

Immerhin ist die Fuljames-Welle 1999 Austragungsort der 5. Rodeo-WM.

 

 

  Stellt man den Kiwis die Frage, was man noch unbedingt gesehen haben muß, so holen sie weit aus, bekommen strahlende Augen und antworten: South Island . Die Südinsel ! Des Paradieses zweiter Teil ! Wir kommen !

In Wellington rollen wir auf die Fähre, Kurs Süden nach Picton. Unser nächstes Ziel der Abel Tasman Nationalpark. Ein herrliches Revier zum Seekajakfahren. Traumstrände wie aus der Bacardi-Werbung, klar und sauber. Bei Wind jedoch von eindrucksvoller Aufgewühltheit. Zum allerersten mal schließen wir Bekanntschaft mit den Sand Flies, einer Spezies von ”Mückchen”, die aber ganz schön beißen und uns wegen des danach auftretenden Juckreizes sichtlich zusetzen.

 

Zurück im WW-Kajak, geht unser Roadtrip weiter gen Buller-River, dem wasserreichsten Fluß der Kiwis, auf dem wir einige Teilstücke mit wohlklingenden Namen wie Granity Creek Run, Earthquake Run etc. befahren. Alle Abschnitte von WW II bis IV mit guten Spielstellen.

 

Die nächsten Tage bringen viele Autokilometer an der Westküste entlang. Wegen anhaltendem Regen bleibt uns derBlick auf den Mount Cook vom Fox-Glacier aus leider versagt. So ertränken wir unseren Kummer im nahen Queenstown in einer der zahlreichen Kneipen. Eine gewaltige Freizeitmaschinerie hat sich dort etabliert, neben Bungeejumping locken Jet-Boating, Mountain Biking und Rafting die adrenalinsüchtigen Urlauber.

 

Wir treffen zufällig auf Michael Neumann und Markus Kratzer, zwei Paddel-Größen aus der Heimat, die uns auf den fantastischen Shotover-River nahe Queenstown einladen. Der Shotover bietet beim angetroffenen Mittelwasserstand moderate Schwierigkeiten bis WW IV. Herausragend das Oxenbridgetunnel, 80 m lang von Goldgräbern in den Fels gebombt, welches wir aber umtragen.

 

Wir bleiben noch einige Tage in Queenstown und befahren den Kawarau-River. Insbesondere der Dog Leg Run begeistert uns. Doch obwohl nur mittelschwer, sollte man immer auf der Hut sein. Im mittleren Teil der Strecke wartet die beste Welle der Südinsel. Der Name “Do little - Do nothing” sagt alles. Michael zeigt, wie es geht. Stunden verbringen wir mit Spielerei und dösen in der Sonne. So läßt es sich leben. Am Aussatz wartet zudem ein wilder Campingplatz in schöner landschaftlichen Umrahmung und gekühltem Forster-Dosenbier.

 

Langsam gehen uns die Tage aus, der Rückflug wartet. Wir beschließen auf der Fahrt zum Endpunkt unserer Reise - Christchurch - als letzte Erinnerung vor dem Heimflug noch den Rangitata zu befahren. Wegen Hochwassers ist uns allerdings nur das untere Stück vergönnt, welches jetzt wegen des Wasserstandes eine Handvoll kerniger Rapids bis III+ aufweist.

 

 

Empfehlenswert ist zum Abschluß ein Surf-Nachmittag an einem der Stadt-Strände Christchurchs - sofern die Zeit noch reicht. Via Eisenbahn schicken wir am nächsten Tag die Kajaks gut verpackt  zurück gen Nordinsel zu Donald Calder nach Rotorua. Morgen ist Rückflug!

Tschüß ”Weiße Wolke”, Traumland mit Traum-Wildwasser für kajakfahrende Träumer!

 

 

Kalle Gierer

 

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