Den ersten
Superlativ New Zealands muß man schlicht aussitzen. Über einen Tag
drücken die Po-Backen im Flieger, bevor man ans andere Ende der Welt
gelangt. Als wir nach 28 Stunden wieder festen Boden betreten, sind
uns die Strapazen sichtlich anzumerken. Zum Glück liest uns Klaus auf,
der via Bali einige Stunden vor uns eingetroffen ist und das Martyrium
schon etwas verdaut hat. Nach einigem Hin und Her ist ein geeigneter
Mietwagen mit roof-rack (Dachgepäckträger) organisiert, das Gepäck
samt Paddel und Ausrüstung verstaut. 4 Stunden rauschen wir über die
Nordinsel zur ersten Station unserer Träume – Rotorua. Am Abfluß des
Lake Rotoiti treffen wir auf den Kaituna-River.

Dieser
landschaftlich fantastisch gelegene Fluß dient uns zum Einpaddeln.
Keinen Steinwurf vom Einstieg entfernt wohnt Donald Calder. Herrmann
hatte bereits von Deutschland aus die Möglichkeiten zum Ausleihen der
Kajaks sondiert. Man muß wissen, daß Donald Prijon Importeur für die
Kiwi Insel und obendrein noch ein exzellenter Wildwasser und
Rodeopaddler ist. Nach ein paar Befahrungstips lockt uns der Kaituna,
dem der Ruf vorauseilt, der beste Spielfluß in NZL zu sein. Mit etwas
gemischten Gefühlen steigen wir in unsere Boote.
Gleich von Anfang an paddelt man über ein paar leichte Schwallstücke
mit kleinen Walzen durch eine 200 m lange Slalomstrecke, die zum
Spielen und warmpaddeln einlädt.
Der Höhepunkt des Kaituna bilden jedoch zweifellos die Okere Falls.
Drei Wasserfälle zwischen 2,5 und 7 m. Gut, daß wir den letzten Fall
schon im Voraus vom Klammsteg besichtigt haben.

Das glasklare
Wasser donnert zwischen senkrechten Felswänden herunter, im
Wasserstaub bilden sich große farbige Regenbogen zwischen den
Farnbäumen des Regenwaldes.
Im Gumpen bildet sich ein bis zu einem Meter hohes ”Schwammerl”, wer
nicht die richtige Fahrtroute erwischt, so wurde uns von Insidern
berichtet, ist auf die Gnade der Flußgötter angewiesen. Dieser entläßt
einen selten ohne Prellungen und Hautabschürfungen. Selbst local hero
Arndt Schaeftlein hat es an dieser Stelle schon geschafft und bei
einer Fahrt im Duo-Topo mit dem Jochbein gebremst.
Aufgrund dieser unkalkulierbaren Risiken fällt die Entscheidung
eindeutig aus. Wir booten lieber unter dem Fall wieder ein.
Auf den letzten 1,5 km fahren wir durch eine Urwaldklamm, die uns mit
einigen schönen Spielstellen belohnt, die wir vollends genossen haben.
Zum Schluß am
Ausstieg wartet das ”bottom hole”, die Großmutter aller Spielwalzen am
Kaituna. Angesichts des badewarmen Wassers eine reine Freunde, einige
Kerzen und Eskimorollen auszuprobieren.

Zufrieden aber mit
gewaltigem Hunger steigen wir aus unseren Booten. Zurück in Rotorua
stärken wir uns an einem Straßenstand mit leckeren Fish and Chips, die
rustikal in Zeitungspapier verpackt serviert werden. ”Fürchterlich
stinkender Ort” nennen die Maori ihre traditionelle Stadt, was
beileibe kein Werbegag ist. Enorm lebendige Thermalquellen am Ortsrand
sorgen bei ungünstiger Windrichtung für einen aparten Geruch.
Nach einem
ausgiebigen Bad in einer der Quellen am Kerosin Creek kriechen wir
müde in die Zelte.
Am anderen Tag
sind wir auf dem Weg zum Rangitaiki River. 2 Stunden kurven wir von
Rotorua über Schotterpisten durch das Hinterland. Der bei Murupara
durch den Kaingaroa Forest fließende Rangitaiki, der von den Maoris
als heiliger Fluß verehrt wird, bietet spritzige Schwallstücke WW
III-IV durch tropische Vegetation in unberührter Landschaft. Dieses
mal fällt das Los für den Auto-Shuttle auf Herrmann. Wir stehen
alleine etwas verloren in der Pampa. Vor uns ein Buschdickicht und
einige Kauri-Bäume, die wohl die Rodungs-Ekstase der Pionierzeit
überlebt haben.
Doch nach einem letzten Blick in den Flußführer ist unser Optimismus
wieder da. Jeffs-Joy-Run – klingt doch irgendwie gut. – Was dem Spaß
gemacht hat, wird uns sicher auch gefallen, denken wir. Die Fahrt
beginnt eher gemütlich, langsam nimmt die Verblockung und Wasserwucht
zu. Die Kernstellen des Jeffs-Joy-run warten.
Nach ausgiebiger Besichtigung beschließen Klaus und ich, den Katarakt
zu fahren. Jochen sichert vom Ufer aus die letzten schwierigen
Stellen. Ich erwische die Route einigermaßen optimal und schieße in
den ruhigen Pool am Ende. Auch Klaus sticht im Eiltempo durch die
letzte große Walze und grinst mir erleichtert zu. Bis zum Ausstieg
gibt es auf den letzten Kilometern noch unzählige Schwälle und Walzen,
man kann sich also bedenkenlos austoben.
Spät treffen wir Herrmann am verabredeten Aussatz.
Nachdem wir
zahlreiche Tagestouren z.B. auf dem Tongariro sowie dem Rangitikei
River - einem Fluß mit landschaftlich herausragender Schlucht und
langen technischen Rapids bis WW IV+ genossen haben, ist auf der
Nordinsel noch der Waikato-River zu empfehlen. Unterhalb des Ariatia
Dammes findet man ”Fuljames”, eine große Welle, bei der man je nach
Wasserstand hervorragend surfen kann. Mit den etwas schwerfälligen
Diabolos tun wir uns mit dem Surfen etwas schwer, unseren Spaß hatten
wir auf jeden Fall.
Immerhin ist die
Fuljames-Welle 1999 Austragungsort der 5. Rodeo-WM.

Stellt man den Kiwis die Frage, was man noch unbedingt gesehen haben
muß, so holen sie weit aus, bekommen strahlende Augen und antworten:
South Island . Die Südinsel ! Des Paradieses zweiter Teil ! Wir kommen
!
In Wellington
rollen wir auf die Fähre, Kurs Süden nach Picton. Unser nächstes Ziel
der Abel Tasman Nationalpark. Ein herrliches Revier zum Seekajakfahren.
Traumstrände wie aus der Bacardi-Werbung, klar und sauber. Bei Wind
jedoch von eindrucksvoller Aufgewühltheit. Zum allerersten mal
schließen wir Bekanntschaft mit den Sand Flies, einer Spezies von
”Mückchen”, die aber ganz schön beißen und uns wegen des danach
auftretenden Juckreizes sichtlich zusetzen.
Zurück im WW-Kajak,
geht unser Roadtrip weiter gen Buller-River, dem wasserreichsten Fluß
der Kiwis, auf dem wir einige Teilstücke mit wohlklingenden Namen wie
Granity Creek Run, Earthquake Run etc. befahren. Alle Abschnitte von
WW II bis IV mit guten Spielstellen.
Die nächsten Tage
bringen viele Autokilometer an der Westküste entlang. Wegen
anhaltendem Regen bleibt uns derBlick auf den Mount Cook vom
Fox-Glacier aus leider versagt.
So ertränken wir unseren Kummer im nahen Queenstown in einer der
zahlreichen Kneipen. Eine gewaltige Freizeitmaschinerie hat sich dort
etabliert, neben Bungeejumping locken Jet-Boating, Mountain Biking und
Rafting die adrenalinsüchtigen Urlauber.
Wir treffen
zufällig auf Michael Neumann und Markus Kratzer, zwei Paddel-Größen
aus der Heimat, die uns auf den fantastischen Shotover-River nahe
Queenstown einladen. Der Shotover bietet beim angetroffenen
Mittelwasserstand moderate Schwierigkeiten bis WW IV. Herausragend das
Oxenbridgetunnel, 80 m lang von Goldgräbern in den Fels gebombt,
welches wir aber umtragen.
Wir bleiben noch
einige Tage in Queenstown und befahren den Kawarau-River.
Insbesondere der Dog Leg Run begeistert uns. Doch obwohl nur
mittelschwer, sollte man immer auf der Hut sein. Im mittleren Teil der
Strecke wartet die beste Welle der Südinsel.
Der Name “Do little - Do nothing” sagt alles. Michael zeigt, wie es
geht. Stunden verbringen wir mit Spielerei und dösen in der Sonne.
So läßt es sich leben. Am Aussatz wartet zudem ein wilder Campingplatz
in schöner landschaftlichen Umrahmung und gekühltem Forster-Dosenbier.
Langsam gehen uns
die Tage aus, der Rückflug wartet. Wir beschließen auf der Fahrt zum
Endpunkt unserer Reise - Christchurch - als letzte Erinnerung vor dem
Heimflug noch den Rangitata zu befahren. Wegen Hochwassers ist uns
allerdings nur das untere Stück vergönnt, welches jetzt wegen des
Wasserstandes eine Handvoll kerniger Rapids bis III+ aufweist.

Empfehlenswert ist
zum Abschluß ein Surf-Nachmittag an einem der Stadt-Strände
Christchurchs - sofern die Zeit noch reicht. Via Eisenbahn schicken
wir am nächsten Tag die Kajaks gut verpackt zurück gen Nordinsel zu
Donald Calder nach Rotorua. Morgen ist Rückflug!
Tschüß ”Weiße
Wolke”, Traumland mit Traum-Wildwasser für kajakfahrende Träumer!
Kalle Gierer