Stuttgarter Kajak- Club e.V. 

 

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Tierbegegnungen in Canada 1982

 

Auszug aus einem Wildniserlebnis von einer Flusstour im Yukon Territory mit Heinz Vosseler, Harald Allgayer und Manfred Bechtle

 

 

Außer Karten hatten wir keine weiteren Angaben. Das ganze Gebiet war absolute Wildnis. Mit unseren schwer beladenen Metzeler Spezi Kajaks (u.a. Lebensmittel für ca. vier Wochen) paddelten und treidelten wir – manchmal bis zur Brust im Wasser – tagelang den Fluss aufwärts. Oft mussten wir die Boote über Biberdämme heben. Dahinter war dann zur Belohnung Stauwasser und wir konnten paddeln. Am Himmel kreisten Weißkopfadler und manchmal hörten wir den eigenartigen, wehmütigen Ruf der Canada Wildgänse. Wir marschierten durch weglose Sumpfwiesen mit Schwärmen von Moskitos, durch Erlenbuschgestrüpp. Die einzige Freude waren die großen, reifen Blaubeeren, die es in Hülle und Fülle gab. Am ersten namenlosen See bauten wir die Boote wieder auf. Wir nannten ihn ”Lake Harald”. Über kleinere Wasserverbindungen, unterbrochen von Biberburgen, erreichten wir den Quellsee des Hess River. Eine Elchkuh mit ihrem Kalb verharrte reglos am Ufer. Biber planschten im Wasser und schlugen mit ihren breiten Schwänzen auf die Wasseroberfläche. 

  

Hier bauten wir unser Nachtlager auf. Harald, unser bester Koch, bereitete uns ein leckeres Essen. Am nächsten Morgen paddelten wird auf dem See, den wir ”Lake Heinz” getauft hatten, in nördlicher Richtung. Nach einer endlosen Schaufelei erreichten wir den gerade noch fahrbaren Ausfluss. Wir tauften ihn ”Manni River”. Am nächsten Morgen schien die Sonne. Der Manni River war inzwischen zu einem beachtlichen Fluss mit vielen Schnellen angewachsen. Er war voller Fische. Vor allem die Graylings (Äschen) schmeckten köstlicher als Forellen. Wir angelten jeden Tag einige als Zugabe zum Abendessen. Kurz nach der Mündung des Manni River in den Hess River brach urplötzlich ein kapitaler Elchbulle aus dem Ufergestrüpp und stürzte sich wenige Meter vor uns in den Fluss. Ehe wir unsere Kameras aus den wasserdichten Taschen heraus holen konnten, war das prächtige Tier mit seinem glänzenden Fell auf der anderen Flussseite zwischen Pappeln und Erlenbüschen verschwunden. 

 

Der schnellströmende Hess River hatte gutes Mittelwasser von grünlich trüber Farbe. Bald war der dunkle, saubere Manni River von diesen Wassermassen verschluckt. Wir ließen uns treiben und bemerkten plötzlich nahe dem Fluss einen Wolf, der uns lange neugierig betrachtete. Er trank etwas Wasser und schnürte gelangweilt weiter. Auf einer Kiesbank stand ein wunderschönes Caribou mit mächtigem Gehörn und verharrte reglos, als es uns wahr- nahm. Wir konnten dicht heran fahren und filmen, ehe es ohne Hast seines Weges zog.  

 

In einem flachen Kehrwasser legten wir an und zogen die Boote heraus. Wir machten uns ein kleines Feuer. Wir waren gerade mit dem Essen fertig und tranken Tee, als wir einen  mächtigen Grizzly- Bären den Fluss herunter schwimmen sahen. Die Strömung trug ihn an uns vorbei. Zwanzig Meter unterhalb tappte er aus dem Wasser und schüttelte sich. 

Wir entschieden uns ruhig und still sitzen zu bleiben und abzuwarten – das war richtig. Der Bär nahm überhaupt keine Notiz von uns und verschwand in den Büschen. Kurz danach hörten wir ein Brüllen und ängstliche Laute eines anderen Tieres. Da brachen eine Elchkuh und ihr Kälbchen panikartig aus dem Gestrüpp. Beide sprangen in den Fluss, verfolgt von dem wütend grunzenden Bären. Die Elchkuh schwamm sehr schnell. Das Kalb kam fast nicht nach. Doch die Todesangst verlieh ihr zusätzliche Kräfte. Am anderen Ufer sprang die Elchkuh aus dem Wasser, das Kalb hinterher, verfolgt vom Bären. 

Alle drei verschwanden im Wald. Dann ein Todesschrei. Vor unseren Augen hatte sich ein Tierdrama abgespielt. Wir saßen wie erstarrt und schwiegen lange. Nach einigen Passagen mit gut fahrbaren Stromschnellen kamen wir in ruhig fließendes Wasser des Hess River. Nach einer Kurve sichteten wir am rechten Ufer einen außergewöhnlich großen Grizzly, der gemütlich im Gras saß und ins Wasser starrte. Als er uns bemerkte, richtete er sich auf, tappte ein paar Schritte umher und schaute uns neugierig an. Wir zückten die Kameras. Heinz war so dicht bei ihm, dass ich beide aufs Bild bekam. So entstand das einzigartige Bild "Heinz mit Bär"

 

von Manfred Bechtle

 

 

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