Sonntag, 11. Juli
Wir befinden uns ca.
zwei Stunden vor dem Ort Ross River und beschließen einen Ruhetag
einzulegen. Der Tag vergeht mit Wäsche waschen, Essen, Trinken und Skat
spielen. Es regnet immer wieder.
Montag, 12. Juli
Der Fluß mäandert
und wird schneller. Ein paar Schwälle lassen uns rasch vorankommen. Nach
einer Linkskurve fahren wir in den Pelly River ein. Etwa 1 km weiter
sehen wir die Brücke der Ortschaft Ross River. Wir gehen an Land. Die
Stadt besteht aus 30 bis 40 Häusern mit einem Departement Store, einer
Trading Post, einer Kneipe und Hotel mit Café. Die meisten Einwohner
sind Indianer. Wir ergänzen unsere Lebensmittelvorräte, geben die Post
auf und trinken Bier. Anschließend verstauen wir die gekauften Dinge und
fahren noch einige Stunden weiter auf dem Pelly River.
Dienstag, 13. Juli
Die Fahrt auf den
Pelly River mit seinen bewaldeten Ufern, Inseln und Kiesbänken geht
schnell voran. Im Süden leuchten die blauen Berge der Pelly-Range,
während im Norden bereits das Massiv der Rose-Mountains auftaucht. Wir
finden später einen guten Übernachtungsplatz. Bei einem wärmenden Feuer
mit “Reflektorwand” backe ich drei Brote, die recht gut werden.
Mittwoch, 14. Juli
Dieser Tag verläuft
besonders ruhig. Wir bekommen Rückenwind und der Fluß strömt gleichmäßig
schnell. Wir lassen uns lange Strecken treiben, singen und jodeln und
manchmal kommt ein Echo von den Steilwänden zurück. Wir sehen keine
Tiere und hören keine Vögel - nur das große Schweigen der Landschaft
ist um uns.
Donnerstag, 15 Juli
Der Tag beginnt mit
blauem Himmel und Sonnenschein. Wir paddeln mit nackten Oberkörpern.
Manchmal lassen wir uns stundenlang treiben. In den Canyon-Bergen fahren
wir ca. 2 Stunden durch ein riesiges Waldbrandgebiet. Einmal schwimmt
ein junger Bär durch den Fluß, schüttelt sein hellbraunes Fell und
verschwindet im Gestrüpp.
Freitag, 16. Juli
Frühstück und
Einpacken geht noch im Trockenen; aber bald kommt ein Gewitter mit
Regen. Wir paddeln viele Stunden mit gesenktem Kopf, die Hutkrempe in
die Stirne gezogen . Gegen Abend, in einer Regenpause, bauen wir die
Zelte auf und kochen unser Essen.
Samstag, 17. Juli
Heute ist ein
prächtiger Sommertag. Frühzeitig sind wir auf dem Wasser. Der Fluß hat
kaum Schwierigkeiten, nur bei Kiesbankschwällen mit großen
Treibholzverhauen ist Vorsicht geboten. Es geht durch den Granit
Canyon. Wir kommen gut durch. Nach dem Canyon sehen wir rechts zwei
Blockhütten und werden von aufgeregtem Hundegekläff von etwa 20 einzeln
angebundenen Hunden empfangen. Wir gehen an Land und werden von einem
älteren und einem jüngerem Mann sowie einer jungen Frau willkommen
geheißen. Der ältere Mann heißt Eddi und ist Trapper, während die jungen
Leute nur zu Besuch sind. Wir unterhalten uns lange und erfahren viel
über das Trapping. Nach 2-stündiger Fahrt taucht die Ortschaft Pelly
Crossing auf. Der Ort besteht aus drei Kirchen, einer Tankstelle, einem
Store, ein paar Blockhütten und Fertighäusern. Es sollen hier 175
Menschen leben, die meisten Indianer. Wir booten wieder ein und fahren
noch einige Stunden. Wir finden eine Übernachtungsstelle, die angeblich
gute Angelmöglichkeiten hat. Ich fange aber wieder nichts.
Sonntag, 18. Juli
Wieder Wetterwechsel
mit Regen und Gegenwind. Der Pelly fließt schnell, jedoch die Paddelei
gegen den Wind ist sehr anstrengend. Nach einer langen Fahrt durch einen
Canyon mit großen, versetzten Felsen im Fluss fahren wir bis zu einer
Kiesbank und booten aus.
Montag, 19. Juli
Wir fahren in den
mächtigen Yukon ein. Schräg gegenüber liegt die verlassene Ansiedlung
Fort Selkirk. Es gibt nur zwei Einwohner, einen älteren Indianer mit
Frau. Fort Selkirk hat noch etwa 30 Gebäude, mehr oder weniger gut
erhalten; auch ein Schulhaus und eine Kirche. Der Ort wurde 1952
aufgegeben als die Yukon Schifffahrt eingestellt wurde.
Es geht weiter auf
dem Yukon. Er ist ca. 1 km breit und zieht lautlos und schnell dahin.
Beim Eintauchen des Paddels hört man es knirschen. Es ist das Geschiebe
von Sand und Steinen am Grund. Der Yukon füllt das Tal und ändert seine
Richtung nur, wenn die Gebirgsfaltung ihn dazu zwingt.
Dienstag, 20. Juli
Noch ein herrlicher
Tag auf dem klaren Yukon. Über uns ein fast wolkenloser blauer Himmel.
Wieder finden wir einen schönen Übernachtungsplatz auf einer Insel. Mit
der sinkenden Sonne ändern die Berge im Osten die Farbe von rot über
violett nach stahlblau. Harald kocht ein gutes Essen und zufrieden
sitzen wir an der Glut unseres Feuers.
Mittwoch, 21. Juli
Das Tal verbreitert
sich. Nach zwei Stunden treffen sich Yukon und White River. Der White
River führt sedimenthaltiges Wasser von milchiger, dreckiger Farbe,
welches nach einigen Kilometern auch den Yukon färbt. Der Fluß ist nun
manchmal ca. 3 km breit und hat viele Arme. Boot und Mensch werden
winzig klein und ihre eigene Geschwindigkeit unwesentlich.
Donnerstag, 22. Juli
Gegen 10 Uhr sind
wir wieder auf dem Wasser. Die Fahrt verläuft recht flott, denn der
Yukon hat wenig Krümmungen. Das nächste Gewitter ist eine Weile drohend
vor uns. Die starken Randböen ergreifen uns. Sie sind so heftig, dass
sie von den Inseln Sandfontänen hoch wirbeln und uns fast die Paddel aus
den Händen reißen. Der Wind kommt auch noch von vorn, durchsetzt von
gewaltigen Wolkenbrüchen mit Hagelschauern. Der Yukon ist aufgewühlt und
die Sicht sehr schlecht. Nach Stunden flaut es ab und wir legen bei
leidlichem Wetter kurz vor Dawson City bei der Klondyke-Mündung an und
booten aus.
Eine abenteuerliche,
traumhaft schöne 1000 km lange Flußtour liegt hinter uns.
Manfred Bechtle