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Wie attraktiv muß
die Strecke sein, die so häufig befahren wird? (Natürlich innerhalb
einiger Jahre, Stand April 1999).
Zuerst muß sie
wesentliche Anforderungen erfüllen: erreichbar per Fahrrad oder ÖPNV,
(fast) ganzjährig befahrbar, keine Umtragestellen, die “richtige”
Streckenlänge besitzen, landschaftlich ansprechend und zudem vor
künftigen Verbauungen geschützt sein (gerade hier haben unsere
Lieblingsstrecken Federn lassen müssen, aber das ist ein anderes
Thema). Ihr habt es erraten, es kann sich nur um unseren Hausbach
Neckar von Mühlhausen bis Bad Cannstatt handeln!
In Zahlen von km
176,5 bis 182,5 flußaufwärts und wieder zurück, wobei letztere immer
die schnellere Strecke ist. Natürlich wegen der Strömung (kaum zu
glauben), oder auch, weil man warm gepaddelt ist.
Mit dieser Strecke
erlebe ich den Rhythmus der Jahreszeiten: die letzte T-Shirt-fahrt des
Jahres schon mal im November, die erste selten im Februar. Treibeis
ist selten, kommt aber vor. Anfang und Ende des Winters sind zu
erkennen an der Sitzisolierung mit Hilfe eines Liegemattenstücks. Im
Herbst und Winter bin ich erstaunt, wie klar das Wasser ist. Besonders
im Frühling, wenn nach den viel zu langen Winternmonaten alles grünt,
halte ich es bei gutem Wetter nicht zu Hause aus und entfliehe für 80
Minuten dem Alltag. Solange brauchts für eine gemütliche Runde. Schon
beim “Golden Gatele” laß ich die Gedanken ziehen, der Neckar wandelt
sich zum Tornionjoki, das Verkehrsrauschen zum patagonischen Wind.
Beim Ruderclub denke
ich an ein kleines Rennen mit den Ruderern - das klappt nur auf kurzer
Strecke und nur dann, wenn die “Berta Epple” jene Wellen macht, die
die Ruderer aussitzen müssen. Den Paddler freut’s, und für kurze Zeit
fährt man an allen vorbei! Damit es nicht langweilig wird, wechseln
nun die Eindrücke entlang der Strecke: wer auf moderne
Industriearchitektur steht, kommt in Münster auf seine Kosten.
Andererseits ist gerade hier gut zu beobachten, wie die renaturierten
Ufer langsam zuwachsen und der häßliche Eindruck des eingefaßten
Flusses verschwindet.
Spätestens auf der
Höhe “unseres” Hallenbades wird die Strömung bei gutem Wasserstand
stärker. Paddeln durch die Großstadt ist geboten, bis zum Wendepunkt
ist der Fluß in das Korsett der hochgemauerten Ufer gesperrt.
Das Ganze zurück,
Rückenwind wird zu Gegenwind. Es gibt Tage, da wechselt die
Windrichtung hinter jeder Kurve. Nach weiteren 40 Minuten bin ich
wieder in Mühlhausen, um feststellen zu können “ ...gut, daß ich mich
aufgerafft habe!”
Bis zum nächsten
Mal.
Werner Hinz |